Flüchten oder Standhalten

Ann Jeanette Rupp, Referentin der Geschäftsführung der milaa gGmbH, schreibt über das Panorama Süd, eine Einrichtung für Obdachlose.

»Der Berliner Stadtteil Lichterfelde: Die viel befahrene Goerzallee und die Wismarer Straße kreuzen hier. Eine von den Seitentraßen ist der Orlerweg, eine ruhige Straße mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern, Bäumen und gepflegten Gärten unweit des Kanals. Inmitten dieser Häuserreihen liegt das „Panorama Süd“, eine Einrichtung für Obdachlose. Dabei steht der Begriff des „Obdachlosen“ nicht zwingend synonym für „Penner“ oder „Treber“. Viele Ursachen können zu Wohnungsverlust führen, viele Wege können auch heraus führen, wenn man sich traut, den Schritt zu gehen. Einen ersten haben die Bewohner/-innen des Ortlerwegs bereits gemacht. Sie haben sich beim zuständigen Amt als „wohnungslos“ gemeldet und sind über das berlinweite System dem Panorama Süd zugewiesen worden.

Empfangen werden die neuen Bewohner/-innen durch das milaa-Team des Panorama Süd. Helmut Reiners ist der Einrichtungsleiter und seit mittlerweile zehn Jahren vor Ort. Unterstützt wird er von Ulrike Mußlick in der Verwaltung sowie von zwei weiteren Kollegen, die für die Haustechnik zuständig sind. Die Einrichtung wird in Kooperation mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf betrieben, die das Gebäude zweckgebunden zur Pacht an die milaa gGmbH vermietet hat. Insgesamt gibt es in dem Haus mit weitläufigem Garten 60 Plätze. Die Zielgruppe erstreckt sich dabei auf Familien- und Lebensgemeinschaften mit und ohne Kinder, Menschen mit ungeklärtem Aufenthaltstatus sowie alleinstehenden Frauen und Männern, die bereits obdachlos sind oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Diese werden auf drei Etagen und in acht Wohnbereichen mit Gemeinschaftsraum und –küche einquartiert, in der Hoffnung, dass es sich um eine Interims-Lösung handelt.

Helmut Reiners, der zunächst als Straßensozialarbeiter an den Brennpunkten Berlins gearbeitet hat, war es von Anfang an wichtig, dass das Haus gepflegt und ordentlich wirkt. Er wollte nicht, dass „sein“ Haus runtergekommen oder gar nach „Verwahr-Station“ aussieht. Leider gebe es in Berlin viele Beispiele dafür, wo sich Betreiber, insbesondere gewerbliche, keinerlei Mühe geben. „Aber sich wohl fühlen, ein Stück weit ein Zuhause haben, das gibt den Menschen Motivation, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen, Schicksalsschläge zu vergessen und den Mut, wieder in die Zukunft zu blicken“, so Reiners.

Nicht jeder wird es schaffen, darüber sind sich Reiners und sein Team im Klaren. Aber die Bewohner/-innen-Struktur hat sich im letzten Jahrzehnt bereits stark gewandelt. Waren es früher noch deutlich mehr „heftige Leute“, die Alkohol und Drogen konsumierten, bzw., die diese um die Ecke einnahmen und konsumierten – in der Einrichtung gibt es Beschränkungen, was zum Beispiel den Konsum von Alkohol betrifft – so zeichnet sich bereits jetzt ab, dass es einen Zuwachs von Rentnern gibt, die sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können, sich verschulden und nach einem Klageverfahren die Wohnung verlieren. Aber auch sogenannte „Statusgewandelte“, also Flüchtlinge, die aus der Zuständigkeit des LAGeSo und somit in die Zuständigkeit der Sozialämter und JobCenter der Bezirke fallen, erhalten beispielsweise einen Platz im Panorama Süd. „Aber die bleiben meist nicht lang“, so Ulrike Mußlick. „Ich erlebe hier viele intelligente junge Menschen, die sich jeden Tag sehr viel Mühe geben, ihr Leben selbst bestimmen zu können. Sei es, dass sie Deutschkurse besuchen oder wenigstens drei Termine für Wohnungsbesichtigungen haben und sich noch einen Mini-Job suchen.“

Aber für alle Bewohner/-innen des Panormas wird die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Berlin nicht einfacher. Die Mieten steigen, die Menschen, die vielleicht weniger Einkommen haben, werden in Außenbezirke gedrängt oder haben kaum Chancen auf dem Wohnungsmarkt. Aber es gibt auch viele positive Geschichten. Tatsächlich meldet sich der eine oder andere Bewohner sogar noch mal, auch wenn er vielleicht schon Jahre nicht mehr im Panorama Süd gewesen ist. Das sind dann die Momente, in denen man sich sehr darüber freut, einen Menschen ein Stück weit begleitet und ihm vielleicht auch den einen oder anderen positiven Impuls mitgegeben zu haben.«


Ann Jeanette Rupp
Referentin der Geschäftsführung


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grabner@milaa-berlin.de

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