Vom Wert des Wandels

Jeanne Grabner, die Geschäftsführerin der milaa gGmbH hat einen Vortrag über den Wert des Wandels gehalten:

»Zunächst als wesentliche Grundlage: Wandel kann nicht nicht stattfinden. Veränderung ist ein beständiger Begleiter und meist ein guter. Dinge ändern sich jedoch selten von Grund auf; ein Baum steht dunkelgrün in voller Kraft des Sommers, später färben sich seine Blätter, er verliert sie und die kahlen Zweige erinnern kaum noch an die grüne Fülle, doch der Frühling treibt die neuen Blätter und übersäht ihn mit Blüten. Was ist die Grundform des Baumes, was die Veränderung? Veränderung ist das Wesen, die verschiedenen Formen sind austauschbar.

Und doch konfrontieren wir uns immer wieder mit grundlegenden Veränderungen, von denen wir noch nicht wissen, wohin sie führen, stehen wir doch mitten im Prozess: Die Technik hat die Geschwindigkeit unseres Lebens verdoppelt, der demographische Wandel suggeriert, dass Deutschland ein Land der Alten wird, in dem der Pflegenotstand herrscht.

Globale Märkte bescheren uns die besten Dinge der Welt zum Spottpreis, während die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern so gestaltet sind, dass sich dort die Armut verdoppelt, so wie bei uns der Reichtum. Menschen, die das nicht hinnehmen wollen, suchen – angetrieben von Krieg und Verfolgung – einen Platz im reichen Europa, die Flüchtlingskrise hat begonnen. Nord und Süd befinden sich in einem Aushandlungsprozess, dem nicht beizukommen ist mit ein bisschen Willkommenskultur und engagiertem Ehrenamt, sondern der grundlegende Veränderungen fordern wird in unserem Leben.

In dieser Gesellschaft steht soziale Arbeit auf dem Prüfstand. Mehr denn je braucht es karitatives Engagement. Helfen, wo Hilfe dringend nötig ist. Aber es sind nicht mehr nur die Menschen an den Rändern der deutschen Gesellschaft, die mit Fürsorge und Spenden entlaust, gewaschen und neu eingekleidet in den Schlafsälen der kirchlichen Obdachlosenheime zur Ruhe kommen. Heimatlosigkeit, Obdachlosigkeit, Flüchtlingsbewegungen haben ein anderes, vielgestaltigeres Gesicht bekommen und fordern strukturelle Veränderung. Unser hervorragender Sozialstaat hat für alle einen Platz zum Schlafen und ein Grundeinkommen, auch wenn es noch nicht so genannt wird. Gesellschaften wie die milaa aber sind gerufen, aus dem Überleben am Rand der Gesellschaft ein Leben in Verantwortung für sich selbst und andere zu machen: Wohnen so gestalteten, dass es zu Unabhängigkeit führt, Flüchtlinge so aufzunehmen, dass sie ihren Ort in der Gesellschaft finden. Dazu braucht es viele kleine Schritte.

Einer davon ist das Gesundheitshaus, in dem Menschen  aus prekären Wohnverhältnissen gesund werden können. Viele von ihnen – Menschen ohne Obdach ebenso wie Menschen, die durch Flucht und Vertreibung traumatisiert und körperlich krank zu uns kommen – brauchen medizinische Hilfe im Krankenhaus. Im Moment ihrer Entlassung finden sie keinen Ort, der ihrer Gesundheit zuträglich ist, außer einen Schlafsaal, ein Mehrbettzimmer oder vielleicht auch eine völlig vereinsamte Wohnung. Die milaa möchte daher ein Haus eröffnen, in dem Menschen wirklich gesund werden können: mit der Pflege ihrer Familienangehörigen oder mit der Hilfe einer Pflegefachkraft; wo sie Privatsphäre finden und Schutz, mit dem Besuch des Arztes, aber ohne hochentwickelte Gerätemedizin, die die Versorgung im Krankenhaus so teuer macht. Menschen zur rechten Zeit aus dem Krankenhaus in ein Gesundheitshaus zu entlassen, folgt einer volkswirtschaftlichen Notwendigkeit, aber auch einer kulturellen: die pflegenden Angehörigen stören nicht den Krankenhausalltag, ihre zu entwickelnde Pflegekompetenz führt sie vielleicht sogar hinein in eine Pflegeberuf oder lässt sie auch nach dem vereinsamten älteren Menschen im Nachbarzimmer schauen. In einem Gesundheitshaus geschieht Nothilfe, aber auch Integration, Bewusstsein eigener Selbstwirksamkeit, wirkliche Veränderung der Gesellschaft, indem von den Ressourcen der Menschen ausgegangen wird anstatt von ihren Defiziten.

Das Gesundheitshaus braucht aber zunächst noch viele Menschen, die es helfen zu erdenken, Organisationen, die es finanzieren, Fachleute, die es gestalten. Zu diesem Prozess lädt die milaa gGmbH herzlich ein. Interesse an Mitarbeit, an der  Gestaltung und an der Finanzierung bitte per Mail an: info@milaa-berlin.de

Herzlichen Dank!

Jeanne Grabner
Geschäftsführerin milaa gGmbH

 


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Jeanne Grabner

Tel. (030) 80 58 87 9-12
grabner@milaa-berlin.de

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